Impressionen von der DSAM in Bonn

Die Qualifikationsturniere zur deutschen Amateurmeisterschaft erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Pro Jahr finden an verschiedenen Orten in Deutschland sieben solche Turniere statt. Inzwischen kommt es schon teilweise Monate vor Turnierbeginn zum Aufnahmestopp. Der besondere Reiz an diesen Turnieren ist neben einem luxuriösen Ambiente und einem hoch professionellen Orga-Team vor allem der schachliche Aspekt. Nach Spielstärke unterteilt gibt es sieben Gruppen. Dadurch ist – im Gegensatz zu ’normalen‘ Open – gewährleistet, dass man keine zu starken oder zu schwachen Gegner bekommt. Das ist insbesondere für Kinder ideal, da sie in Gruppe G keinen Gegner mit einer DWZ über 1200 befürchten müssen. Der Spielmodus ist 5 Runden Schweizer System, Bedenkzeit ist 90 Minuten für 40 Züge und 30 Sekunden Inkrement. Nach 40 Minuten gibt es nochmal 15 Minuten dazu. Freitags und samstags finden zwei Runden statt, am Sonntag eine. Die sieben Besten jeder Gruppe qualifizieren sich für das Finale 2026 in Dresden.

Vom 19.-21.12. fand so ein Vorturnier zum zweiten Mal in Bonn statt, und zwar im 4-Sterne Hotel Maritim. Aus ganz Deutschland kamen 716 Spieler angereist. War die Premiere 2024 noch an Rheinbach vorbeigegangen, starteten wir dieses Mal immerhin mit einer dreiköpfigen Delegation, bestehend aus Sean-Luca und Julian, sowie mir als Betreuer. Übrigens war noch ein Rheinbacher Schüler am Start, der allerdings für Porz spielt: Simon Fischermann hat mit seinen 13 Jahren bereits eine DWZ von 1913 und trat in Gruppe B an. In diesem Jahr gewann er die deutsche Juniorenmeisterschaft (Gruppe B).

Die ersten vier Bretter, die speziell verkabelt sind, werden live im Internet (bei chessbase, lichess und chess.com) übertragen. Diese spannende Erfahrung machte Sean-Luca in Runde 2:

So sah die Live-Übertragung im Internet aus. Gegen seinen Namensvetter Sean Robinson, der eine unglaubliche Elozahl von 1851 aufwies, sah die Engine Sean-Luca nach 19 Zügen mit 0,4 im Vorteil. Eine großartige Leistung, auch wenn es am Ende nicht ganz reichte.

. Eine weitere Attraktion war der riesige Analyseraum. Dort residierte Großmeister Christopher Noe und stand allen Spielern für Analysen zur Verfügung. Die Partie, die ihm am besten gefiel, wurde dann bei der Siegerehrung gekürt. Auch Julian erhaschte eine Audienz bei dem Meister:

Julian bei der Analyse mit GM Noe (helles Hemd).

Neben GM Noe war auch der berühmte TBG zumindest gefühlt anwesend:

Ein Selfie von Sean-Luca und Julian mit seinem lebensgroßen Aufsteller war alternativlos! Der Spruch „Jede Partie bringt dich weiter..“ endet übrigens so: „…auch die, die du lieber vergessen würdest!“.

Eine Legende der DSAM ist die Turnierfotografin Ingrid Schulz. Mit einem unnachahmlichen Gespür für Situationen und Bilder hat sie die Gabe auch Nicht-Schachspielern eine Idee von der Faszination des Schachspiels zu vermitteln. Hier ein Interview mit ihr:

Ingrid Schulz, das Auge der DSAM: „Ich mag Schach auf andere Weise.“ – Deutscher Schachbund – Schach in Deutschland

Auf der Homepage der DSAM kann man ihre Werke bestaunen. Mit ihrer ausdrücklichen Erlaubnis gebe ich nun ein paar ihrer Fotos wieder:

Auf den Logenplätzen hat man einen besonders guten Blick auf die Arena.
Die Gruppe G ist ideal für Kinder; auch für solche, die noch keine DWZ haben.
Vier Tonnen Obst standen den Teilnehmenden kostenlos zur Verfügung.
Das Maskottchen der Deutschen Schachjugend ist Chessy, eine Figur mit zerzaustem Haar und blauen Mantel. Seine Plüsch-Version ist meist schnell vergriffen. Im Vordergrund ein grüner Glücksbringer.
Eine weitere Legende der DSAM ist Frank Stolzenwald (mit Blumenstrauß). In Bonn feierte er seine 125. (!!) Teilnahme an einer DSAM. Hier ein Artikel über ihn: Der DSAM-Rekordhalter: Um immer dabei sein zu können, übernachtet Frank Stolzenwald auch mal draußen – Deutscher Schachbund – Schach in Deutschland

Der 19jährige Maximilian Menzel startete in der Gruppe A und qualifizierte sich mit 4/5 locker für das Finale 2026 in Dresden. Der für Porz spielende Heimerzheimer und amtierende deutsche U20 Mannschaftsmeister hat den FM-Titel unmittelbar vor Augen. Auf dem Weg dorthin überrollte er bei der diesjährigen OLM in Rheinbach mit 5/5 die Konkurrenz.

Das waren ein paar Impressionen von der DSAM in Bonn. Am Ende konnten Sean-Luca (3/5) und Julian (2,5/5) mit ihrer schachlichen Ausbeute mehr als zufrieden sein. Nächstes Jahr wollen wir uns unserem Lokalrivalen Fritzdorf annähern, der 22 Spieler ins Rennen schickte. Wer sich über die DSAM informieren möchte, kann das hier tun:

Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 7³ 2025/2026